Psycho-Diabetologie
Was hat Diabetes mit der Psyche zu tun?
Diabetes Typ1 und Typ 2 sind chronische Erkrankungen, die von biologischen und psychosozialen Faktoren beeinflusst werden. Dabei sind der Lebensstil, die psychischen Belastungen und soziale Faktoren relevant. Zusammen beeinflussen sie, wie langfristig die Erkrankung bewältigt wird.
Heute wissen wir, dass psychosozialen Faktoren die Lebensqualität der Menschen mit Diabetes (MmD) beeinflussen. MmD müssen ihre Selbstbehandlung an ihr Verhalten und die sozialen Herausforderungen im Alltag anpassen und umgekehrt. Dabei können schwankende oder unerklärliche Blutzuckerwerte emotional belastend sein und zu Angst, Ärger, Niedergeschlagenheit führen. Hinzu kommen die täglichen Belastungen aufgrund der gedanklichen Beschäftigung mit den Blutzuckerverläufen, der Technik, den unmittelbaren Risiken und den langfristigen potenziellen Folgen des Diabetes. Diese diabetesbezogenen Belastungen werden als „diabetes distress“ bezeichnet. Zur Messung von „diabetes distress“ können validierte Fragebögen verwendet werden, wie bspw. der PAID (Problem Areas in Diabetes Scale) Fragebogen. So lässt sich strukturiert das Erleben und Befinden im Zusammenhang mit der Erkrankung zu erfassen und besprechen. Das ist wichtig, denn „diabetes distress“ kann ein Risikofaktor für die Entwicklung einer depressiven Symptomatik sein. Aber auch Ängste können die Stoffwechsellage und Lebensqualität beeinflussen und sich in manchen Fällen zu einer Angststörung entwickeln.
Neben den psychischen Faktoren spielen der sozioökonomische Status, die erlebte soziale Unterstützung und die unmittelbaren Erfahrungen im sozialen Umfeld wichtige Rollen. Das Erleben von Ausgrenzung, Bloßstellung oder Nichternstnehmen kann MmD beschämen und zu Rückzug führen. So berichten vier von fünf Betroffene, wegen des Diabetes schon einmal Stigmatisierung erlebt zu haben.
Das bio-psycho-soziale Modell hilft biologische, psychische und soziale Faktoren in die Gesamtbehandlung einzubeziehen. Dabei fokussiert die Psycho-Diabetologie auf die psychosozialen und verhaltensbezogenen Aspekte in der Diabetologie. Ziel ist es die Wechselwirkungen zwischen emotionalem Befinden und Erleben und Stoffwechsellage besser zu verstehen und behandeln zu können.
- Psychische Probleme sind bei MmD häufiger als bei Nichtbetroffenen und können die Lebensqualität und die Selbstversorgung erheblich beeinträchtigen sowie das Risiko für negative gesundheitliche Folgen wie einen hohen HbA1c-Wert und Folgeerkrankungen erhöhen.
- Psychische Störungen und Diabetes können sich wechselseitig beeinflussen und sollte jeweils berücksichtigt werden. Wir wissen, dass Angststörungen, Depressionen und Essstörungen häufiger bei MmD auftreten können.
- Psychische Beschwerden können routinemäßig erfasst werden durch Fragebögen, wie sie in den Praxisleitlinien DDG empfohlen werden, sodass die psychologische Unterstützung in die klinische Praxis integriert wird. Dabei kann niedrigschwellig im Diabetes-Team das Sprechen über psychische Gesundheit erfolgen, und bei Bedarf auf geeignete digitale Gesundheitsangebote und Spezialisten für psychische Gesundheit hingewiesen werden.
Literatur:
Paust, R. et al. (2023). Praxisbuch Psychodiabetologie. Psychosoziale Aspekte der Diabetes-Behandlung. ISBN: 9783769137699. Verlag: Deutscher Ärzteverlag
https://www.diabetes-psychologie.de/downloads/PAID.pdf
https://doi.org/10.1016/s2213-8587(25)00397-3
Veröffentlicht am 18.05.2026
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