Evidenzbasierte Diabetesprävention: Die Zuckersteuer
Diesmal widmen wir uns einem hochbrisantem gesundheitspolitischen Thema: der Debatte um die „Zuckersteuer“, also einer nutzungs- bzw. rezepturabhängigen Herstellerabgabe auf zuckerhaltige Getränke.
Wir alle behandeln täglich die komplexen Folgeerkrankungen des Diabetes mellitus. Vor diesem Hintergrund ist es besonders erfreulich, dass wirksame Primärprävention zunehmend in den Fokus von Gesellschaft und Gesundheitspolitik rückt.
Als Fachgesellschaft verstehen wir Primärprävention als einen wesentlichen Bestandteil einer zukunftsfähigen Gesundheitsversorgung der die klinische Versorgung wirkungsvoll ergänzt, ohne die individuelle Therapie zu ersetzen.
Evidenz statt Ideologie: Was internationale Daten zeigen
Aus klinischer Sicht ist die Reduktion von freiem Zucker in der Nahrung – insbesondere über flüssige Kalorien – einer der wirksamsten Hebel zur Vermeidung von Adipositas, Typ-2-Diabetes und kardiovaskulären Begleiterkrankungen. Internationale Erfahrungen unter anderem aus Großbritannien, Mexiko und Chile belegen den gesundheitlichen Nutzen strukturierter Anreizsysteme eindeutig.
- Reformulierung der Produkte: Die Erfahrungen aus Großbritannien zeigen, dass eine zuckerabhängige Herstellerabgabe wirksame Anreize zur Reformulierung von Getränken schafft. Damit wird die Produktqualität verbessert, ohne die individuelle Konsumfreiheit einzuschränken.
- Reduktion von Risikofaktoren: Die Reduktion von flüssigem Zucker führt nachweislich zu einer verminderten Inzidenz von metabolischen Syndromen, Fettlebererkrankungen (MASLD) und frühkindlicher Adipositas.
- Entlastung der Sekundär- und Tertiärversorgung: Eine reduzierte Diabetes-Inzidenz schützt langfristig die Gefäßgesundheit – und mildert damit die Belastung durch mikrovaskuläre Folgeschäden, die wir in der täglichen Praxis behandeln.
Die Rolle der Fachdisziplinen: Prävention als Gesamtaufgabe
Eine gesundheitspolitische Maßnahme wie die Produktreformulierung ersetzt nicht die individuelle Patientenschulung, das Wundmanagement oder die orthopädische Versorgung. Sie schafft jedoch ein gesünderes Umfeld („Health in All Policies“), das es unseren Patientinnen und Patienten erleichtert, Therapieziele langfristig zu halten.
Sowohl die Deutsche Diabetes Gesellschaft (DDG) als auch die Allianz Chronische Seltene Erkrankungen und zahlreiche medizinische Fachgesellschaften fordern seit langem die Umsetzung der WHO-Empfehlungen zur Verhältnisprävention. Eine zuckerabhängige Herstellerabgabe kann zudem helfen, Mittel direkt in präventive Schulungsangebote, Bewegungsprogramme und die Förderung von Kindergesundheit zu reinvestieren.
Gemeinsam für eine starke Präventionskultur in Hamburg
Die Hamburger Gesellschaft für Diabetes (HGD) setzt sich dafür ein, dass die Hansestadt eine Vorreiterrolle im Bereich der primären und sekundären Diabetes-Prävention einnimmt. Der Dialog zwischen Fachärzt:innen, Wissenschaft und Politik ist entscheidend, um medizinisch fundierte Lösungen in tragfähige Konzepte zu übersetzen.
Veröffentlicht am 27.08.2026
Bleiben Sie informiert und besuchen Sie regelmäßig unsere Website.
