Die pädiatrische Diabetologie
Ketoazidose bei Manifestation eines Diabetes mellitus Typ 1
Dieses Thema spielt eine große Rolle in der pädiatrischen Diabetologie, und obwohl es immense Fortschritte in der Forschung und der technischen Entwicklung der Diabetestherapie gibt, lässt sich bisher keine Besserung in Häufigkeit und Schwere der Ketoazidose bei Manifestation beobachten.
In Deutschland leben ca. 35000 Kinder und Jugendliche mit Diabetes mellitus Typ 1. Es erkranken jedes Jahr ca. 4000 Kinder und Jugendliche neu an Typ 1-Diabetes. Davon liegt bei fast jedem dritten Kind eine Diabetische Ketoazidose (DKA) vor, also eine Übersäuerung des Blutes durch Keton. Die DKA ist definiert durch einen pH-Wert < 7,3 oder Bikarbonat < 18 mmol/l, eine Hyperglykämie > 200 mg/dl und den Nachweis von Keton im Urin oder im Blut. Je nach pH- und Bikarbonatwert wird die DKA in 3 Schweregrade eingeteilt.
Klinische Zeichen der DKA sind Bauchschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, vertiefte und beschleunigte Atmung, Dehydratation und neurologische Beeinträchtigung bis zur Bewusstlosigkeit. Das Hirnödem als schwere Komplikation der DKA, welches in 0,5 – 1,0 % der Fälle auftritt, hat eine Mortalität von 21-24% und tritt gehäuft im jungen Alter (< 5 Jahren) und mit längerer Azidosedauer auf, sodass es durch verspätete Diagnose immer wieder zu Todesfällen im Rahmen der Diabetesmanifestation kommt.
Die Therapie mittels initial intravenöser Flüssigkeits-, Elektrolyt- und Insulingabe zielt auf Kreislaufstabilisierung, langsame Normalisierung des Blutzuckers und den Azidoseausgleich ab. Eine Flüssigkeitsüberladung ist dabei unbedingt zu vermeiden.
Studien haben gezeigt, dass die Schwere der Ketoazidose bei Manifestation mit einer kürzeren Remissionsphase und einer dauerhaft schlechteren Stoffwechsellage einhergeht. Auch langfristige neurologische Beeinträchtigungen können mit einer DKA bei Manifestation in Verbindung gebracht werden. So lassen sich neurokognitive Einschränkungen und ein signifikant erniedrigter IQ bei Kindern mit schwerer DKA bei Manifestation im Verlauf nachweisen.
Um die DKA bei Manifestation zu vermeiden, müssen die Diabetestypischen Symptome rechtzeitig erkannt werden. Diese sind Polydipsie, Polyurie, Abgeschlagenheit und Gewichtsverlust. Durch Aufklärung der Bevölkerung, des Personals in Betreuungseinrichtungen und des medizinischen Personals kann die Früherkennung des Diabetes verbessert werden. Nach großen Aufklärungskampagnen in Stuttgart und bundesweit durch die DGPAED und den BVKJ gibt es hierzu jetzt auch in Hamburg eine gemeinsame Initiative des Amts für Gesundheit der Sozialbehörde und den Hamburger Kinderkliniken in Kooperation mit dem Hamburger Landesverband des BVKJ.
Früherkennungsstudien wie die Fr1da-Studie können dabei helfen, die Ketoazidoserate bei Manifestation zu senken. Hier wird der Typ1-Diabetes durch Antikörperscreening bereits vor Entwicklung von Symptomen (im Stadium 1 und 2) diagnostiziert. Dadurch kann das Risiko der DKA beim Übergang in das therapiepflichtige Stadium 3 deutlich gesenkt werden. Außerdem besteht inzwischen die Möglichkeit, im Stadium 2 eine immunmodulatorische Therapie mittels Teplizumab durchzuführen, über die bereits im März-Newsletter von Herrn Dr. Schubert-Olesen berichtet wurde.
Zusammenfassend ist die Prävention der Diabetischen Ketoazidose bei Manifestation ein wichtiges Thema. Aufklärungskampagnen und Früherkennungsuntersuchungen können dabei helfen, die Häufigkeit zu reduzieren.
Veröffentlicht am 17.06.2026
Bleiben Sie informiert und besuchen Sie regelmäßig unsere Website.
